Daten sind kein Kostenfaktor, sondern Umsatzquelle

Auch die digitalen Müllberfge wachsen
Auch die digitalen Müllberge wachsen

Der Seufzer von Siemens-Chef Heinrich von Pierer ging um die Welt: „Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß“, so der legendäre Vorstandschef, „dann wären unsere Zahlen noch besser.“ Das war auf der Bilanzpressekonferenz von Deutschlands größtem Technologiekonzern in München – im Jahre 1995!

Tatsächlich schlummern in jeder Firma ungeahnte Schätze in Form von digitalen Informationen. „Daten sind das Erdöl des 21sten Jahrhunderts“, schrieb der niederländischen Gründer und Finanzier Joris Tonders von Yonego, einem Spezialisten für Internet-Marketing, unlängst im amerikanischen Kultmagazin Wired.

Leider sehen das viele Unternehmer und Manager nicht so. Für sie ist das Sammeln und Verarbeiten von Daten kein Teil der Gewinnstrategie, sondern ein Kostenfaktor. Doch damit kommt man im Digitalzeitalter nicht weiter. Daten sind heute ein Teil des Betriebsvermögens, wie Maschinen, Gebäude, Halbfertigteile, Materialien und Fahrzeuge. Weiterlesen

Aufwerten statt anheuern

Die besten Leute sind schon da! In den Zeiten des demoskopischen Wandels und der versiegenden Talentquellen sollten Unternehmen überlegen, ob des nicht besser wäre, statt neue Leute zu suchen lieber die bestehenden Leute durch Qualifizierung und Weiterbildung aufzuwerten.

Der „War for talent“, der Krieg um die immer knapper werdenden Talente, ist schließlich längst in vollem Gange. Und er wird nur nochs chlimmer werden.  Laut einer Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) vom Frühjahr 2015 werden in Deutschland bis 2029 zwischen 84.000 und 390.000 Ingenieure fehlen. Bereits im Jahr 2009 warnte das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) davor, dass in den nächsten Jahren 220.000 Stellen in den so genannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) unbesetzt bleiben könnten.

„Nur starke Arme zu haben, reicht nicht mehr für die Vermittlung eines Lagerarbeiters – er muss auch mit der Lagersoftware umgehen können,“ sagt Dr. Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich. Hilfsarbeitertätigkeiten verlagern sich, so seine Beobachtung, immer mehr vom produzierenden Gewerbe auf den Dienstleistungssektor, wo erhöhte Anforderungen an die sprachliche und soziale Kompetenz gestellt werden. Von Reinigungskräften in einem Hotel werden heute – anders als früher – gute deutsche Sprachkenntnisse erwartet. Deshalb, so Kopf, bräuchten Geringqualifizierte besonders dringend Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten.

Mitarbeiterqualifikation wird deshalb in den kommenden Jahren immer mehr in den Fokus deutscher Unternehmen rücken – rücken müssen! Hier kann Digitaltechnik helfen. Leistungsfähige mobile Endgeräte und die zur Verfügung stehenden Bandbreiten bei der Datenübertragung haben in den letzten Jahren das Thema E-Learning auch im Unternehmen zunehmend interessant gemacht. Weiterlesen

Die neue Macht der Bewerber

Vorsicht, "Schwimmring-Effekt"!
Achtung, „Schwimmring-Effekt“!

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem tiefen Abgrund, und er kommt jeden Tag einen Schritt näher. Die Ursachen liegen etwas mehr als ein halbes Jahrhundert zurück, als die Deutschen nämlich kollektiv beschlossen haben, kaum noch Kinder in die Welt zu setzen.

Um sich ein Bild des Abgrunds vor Augen zu führen genügt ein Blick auf die so genannte Alterspyramide, die inzwischen längst kein spitz zulaufendes Dreieck mehr ist, sondern eher wie ein dickleibiger Fettkloß mit Schwimmring um die Hüfte aussieht. Das ist die Generation der so genannten „Babyboomer“: die Kinder des Wirtschaftswunders, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden und die sich jetzt geschlossen in den mehr oder weniger wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Und nach ihnen kommt der Abgrund.

„Seit Jahrzehnten konstant niedrige Geburtenraten und eine immer weiter steigende Lebenserwartung haben die Altersstruktur der Bevölkerung nachhaltig verändert. Der Anteil der älteren gegenüber den jüngeren Menschen wächst beständig, gleichzeitig schrumpft Deutschland, weil es immer weniger Nachgeborene gibt.“ Das schrieb Hans Dietrich von Loeffelholz schon 2011 in einer Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“.

Es ist also nicht so, als ob wir es nicht gewusst hätten. Und dennoch gab es erstaunte Gesichter, als im Frühjahr 2015 der VW-Personalvorstand Horst Neumann auf einer Tagung des Bundesarbeitsministeriums in Berlin bekannt gab, dass sein Unternehmen in den nächsten zehn Jahren massiv in neue Robotertechnik investieren will – also genau in jene „Jobkiller“, gegen die Gewerkschaftler seit Jahren vergeblich warnen. Zur Begründung machte Neumann eine Rechnung auf: Durch den demografischen Wandel würden in den nächsten 15 Jahren rund 32.000 Beschäftigte mehr das Wolfsburger Unternehmen verlassen als im langjährigen Durchschnitt. Und Neumann sieht keine Chance, sie zu ersetzen. Weiterlesen

Googlegedon: Der Tanz wird schneller

He, alte Schlafhaube!
He, alte Schlafhaube!

Den Webdesignern verbindet eine tiefe Hassliebe mit Google. Jeder möchte ja mit seiner Webseite möglichst an erster Stelle unter den Suchergebnissen stehen, und um das zu erreichen wird viel Zeit, Geld und Grips investiert für das so genannte „Search Engine Optimization“, auch „SEO“ genannt. Viele kluge und fleißige Menschen verdienen jeden Tag ihr Geld damit, Google quasi auszutricksen, um sein „Page Rank“ zu verbessern. Schließlich hängt davon ja auch der wirtschaftliche Erfolg ab: Kunden sind in der Regel nicht bereit, nach unten zu scrollen. Wer also nicht einer der Ersten ist, bei dem brechen die Konversionsraten schnell zusammen, also das Verhältnis zwischen Seitenaufrufen und tatsächlichen Kaufabschlüssen. Und das ist ja am Ende des Tages das, worum es im E-Commerce geht.

Google hüllt sich meist in Schweigen wenn es um den „Google Algorithm“ geht, also um die Meßlatte, die Google anlegt, wenn es seine „Crawler“ genannten Softwareroboter ausschwärmen lässt, um die Websites der Welt zu schätzen. Klar ist nur, dass es immer wieder Veränderungen und Anpassungen gibt, und zwar meistens ohne Vorwarnung. Die Such-Optimierer merken es nur, wenn plötzlich der Auftraggeber anruft und schimpft, weil der Verkehr auf seiner Homepage plötzlich nachgelassen hat und sein Umsatz sinkt.

In der Branche hat sich der Begriff des „Google Dance“ eingebürgert, der zwar eigentlich den Update-Prozess selbst beschreibt, aber auch sehr gut zu der hektischen Betriebsamkeit passt, die Google in den SEO-Agenturen auslöst, wenn wieder mal am Algorithmus gedreht worden ist: Da tanzt tatsächlich oft der Bär! Weiterlesen

Social Shipping: Selbst ist der Paketmann

Ist das vielleicht Ihr Paket?
Ist das vielleicht Ihr Paket?

Die Logistikbranche hat in den letzten Monaten viel von sich reden gemacht mit teilweise sehr innovativen, oft aber auch unrealistischen Ideen, die aber für Schlagzeilen in der Publikumspresse gesorgt haben. Amazons Vision von einer Flotte unbemannter Drohnen, die Pakete minutenschnell an ihr Ziel bringen sollen, dürfte dauerhaft an den Bestimmungen der Flugsicherung scheitern, zumindest in den Ballungsgebieten und in der Nähe von Flughäfen. Allerdings wäre es falsch, das Ganze als Schappsidee ad acta zu legen, bevor nicht weiter daran geforscht worden ist. So sehen manche Experten durchaus ein Potenzial für „drone delivery“ in dünn besiedelten Gegenden, etwa entlegene Alpentäler, wo beispielsweise das Ausliefern von dringend benötigten Arzneimitteln auf diesem Weg eine durchaus interessante und kostengünstige Alternative darstellen könnte. Und in Entwicklungsländern mit besonders schlecht ausgebauten Straßensystemen und fehlender Logistikinfrastruktur könnten die fliegenden Kisten eine echte Bereicherung darstellen.

Auch die Idee, führerlose Autos auf die Straße zu schicken, dürfte sich im Personenverkehr wohl nicht so schnell realisieren lassen, wie Google, Daimler und andere Firmen, die an solchen Konzepten arbeiten, es sich zur Zeit erhoffen. Zu groß sind die praktischen Probleme, von den versicherungstechnischen Fragen und der Angst der Menschen davor, das Steuer aus der Hand zu lassen, einmal ganz abgesehen. Im Logistikbereich sieht die Sache aber anders aus: Die Vorstellung vom selbstfahrenden Lkw ist für Transportunternehmen und Paketdienste ausgesprochen reizvoll: Fahrer kosten Geld und müssen in regelmäßigen Abständen Pause machen. Ein autonomer Lastwagen könne theoretisch rund um die Uhr in Bewegung sein. Bis es allerdings so weit ist, werden sicher noch Jahre vergehen.

Ganz aktuell hingegen ist die Idee, Kunden zu Paketboten zu machen: „Crowd Shipping“ heißt das inzwischen in der Internet-Sprache, und in den USA sind schon Startups wie Rideship, CrowdToGo oder Zipments bieten heute schon an, Sendungen von Privatleuten austragen zu lassen, die zufällig auf Geschäftsreise sind oder einfach Zeit und Lust haben, sich ein paar Euro dazu zuverdienen. Jeden Tag fliegen Millionen von Menschen um die Welt, fahren per Bahn oder Auto von einer Stadt zur anderen und müssten vielleicht ja nur einen kleinen Umweg machen, um ein Paket schneller als jeder professionelle Paketdienst zum Empfänger zu bringen. Es muss nur einer das Ganze organisieren, oder? Weiterlesen

Vertrieb auf allen Kanälen

Der neue Weg zum Kunden
Der neue Weg zum Kunden

Es ist ein Fehler zu glauben, dass die Zukunft des Handels mit einem „entweder oder“ beschreiben lässt. Online oder offline – das entscheidet der Kunde, und jeder Kunde entscheidet anders. Aufgabe des Händlers ist es, ihm zu folgen.

Vor allem aber: Der Einkauf endet nicht mit dem Click auf den Bestellknopf. Eigentlich beginnt in diesem Moment erst die ganz große Herausforderung, denn der Kunde möchte auch entscheiden, wann und auf welchem Weg das Bestellte zu ihm gelangt. Bei der Suche nach dem gewünschten Produkt die Vielzahl stehen ihm eine Vielzahl von Kanälen und damit größtmögliche Flexibilität in der Entscheidung zur Verfügung. Ähnliche Flexibilität werden Kunden in Zukunft von der Vertriebslogistik des Anbieters erwartet.

So, wie sich auf der Vertriebsseite der Begriffe „Omnichannel“ immer mehr durchsetzt, spricht man unter Logistikern seit kurzem auch von „Omnichannel Logistics“. So hat UPS, der weltgrößte Paketdienst, in einer Umfrage festgestellt, dass nicht weniger als 62 Prozent der Online-Shopper in Amerika sich wünschen, im Internet bestellte Waren bei Nichtgefallen im Ladengeschäft des Anbieters zurückgeben zu können – was allerdings bis heute nur wenige Händler anbieten. 44 Prozent würden online Bestelltes gerne im Ladengeschäft abholen.

In einer Ära, in der Kunden immer ungeduldiger sind, kann diese Form der Flexibilität für den Anbieter entscheidend sein. Anders als der Anbieter, für den stationärer und Online-Handel bis heute meistens völlig getrennt betrachtet werden, erwartet der Kunde, dass ihm der Anbieter auf jedem gewünschten Kanal entgegenkommt und zufriedenstellt. Weiterlesen

So weit – und doch so nah

death of distanceManche Voraussagen aus den Frühtagen des Internet wirken heute seltsam blauäugig. Eine davon ist diese: „Durch das Internet spielt Distanz keine Rolle mehr.“

Es ist auch nicht das erste Mal gewesen, dass sowas behauptet wird. Ende des 19ten Jahrhunderts waren es die Eisenbahnen, die angeblich die räumliche Entfernung zusammenschrumpfen lassen sollten: Menschen und Waren ließen sich ja fortan in kürzester Zeit überall hin transportieren, also spiele sie für künftige Geschäftsmodelle keine besondere Rolle mehr.

Mehr als hundert Jahre später wetterte 1997 die britische Journalistin Frances Cairncross vom Wirtschaftsmagazin The Economist gegen die „Tyrannei der Geografie“ . In ihrem Buch „The Death of Distance“ prophezeite sie, dass elektronische Kommunikationsmedien wie das Internet Staatsgrenzen verschwinden lassen würden. Die Menschen würden sich bald nur noch dort niederlassen, wo ihnen das Wetter am besten gefällt. Der freie Fluss von Waren und Dienstleistungen rund um den Globus würde zu weltweitem Wohlstand und einer gerechten Resourcenverteilung führen.

Nun, es sind seitdem fast 20 Jahre vergangen, und wir stecken immer noch fest im Griff der Geografie. Entfernung spielt nach wie vor eine Schlüsselrolle im Wirtschaftsleben. Ja, es stimmt, dass digitale Produkte dank allgegenwärtigem Internet und immer smarteren werdenden Mobilgeräten theoretisch verzögerungsfrei ausgeliefert und verwendet werden können. Aber bis eine Dose Bier oder eine Rolle Klopapier zum Kunden findet ist immer noch eine ausgeklügeltes, hochkompliziertes und kostenintensives System nötig, das wir als die moderne Logistik bezeichnen, nämlich die Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle von Material.- und Informationsflüsse. Weiterlesen